Ein Monat

Vor einem Monat waren wir das erste Mal zur Chemotherapie in Tübingen. Ich habe damals meinen Visitenplan für die Induktionstherapie erhalten. Dieser erste von drei Teilen geht bis zum 24.12.2020. Jetzt bin ich bereits einen Monat in der Therapie und der erste von drei Zyklen neigt sich fast dem Ende entgegen.

Ich möchte mich an dieser Stelle -auch im Namen meiner Familie- noch einmal mehr bedanken. Danke für alle Gebete, Anrufe, E-Mails, Chatnachrichten oder auch persönlichen Besuche. Es ist so schön zu wissen, dass wir nicht alleine stehen und durch euch mitgetragen werden.

Es geht mir heute gut, wenn man das mit der Erkrankung überhaupt sagen darf. Ich fühle mich nicht krank. Ich habe mit viel mehr Einschränkungen und Nebenwirkungen gerechnet, als ich jetzt habe. Ich bin wirklich dankbar, dass es bis jetzt so gut zu ertragen ist. Wer weiß was da noch kommt?

Ein paar wenige Nebenwirkungen habe ich aber trotzdem, wie zum Beispiel Einschlafstörungen und Kribbeln/Schmerzen in Händen und Füßen. Aber es ist alles wirklich erträglich und für den Rest gibt es ja Medikamente. Ich habe weder Erbrechen, Übelkeit, Unwohlsein oder sonst etwas in der Richtung. Das ist sehr gut.

Ihm gehört die Macht in Zeit und Ewigkeit! Amen.
Petrus 5:11 NBH

Der obige Vers ist mir neu wichtig geworden. Er steht in direktem Zusammenhang mit dem Vers aus 1. Petrus 5 Vers 7.

Und werft in Demut alle eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt sich um alles, was euch betrifft.

Petrus 5:7 NBH

Wenn ich alle meine Sorgen bei Gott abladen soll, und das tue ich relativ häufig. Aber dann muss ich auch loslassen und IHN machen lassen. Das ist meine tägliche Lerneinheit. Es ist schwer sich keine Sorgen zu machen. Loslassen(!) und Gott machen lassen. Es heisst dann aber nicht die Hände in Schoß zu legen und dumm und faul rumzusitzen. Ich muss mich dann trotzdem um meine Krebserkrankung kümmern. Ich kann beispielsweise nicht sagen, Gott macht mich gesund, aber dann schlage ich die Behandlung aus oder nehme die Tabletten irgendwann Mal wie es mir gerade passt. Nein Gott möchte, dass ich meinen Verstand nutze und ER möchte, dass ich die nötige Disziplin an den Tag lege. Jesus hat alleine die Macht mich gesund zu machen. Trotzdem fahre ich zur Chemotherapie, nehme die Medikamente und versuche mich gesund zu ernähren, weil Jesus möchte, dass wir ihm vertrauen und ihm gehorsam sind, also die Behandlung mitmachen, die er mir in den Weg stellt. Ich soll auch auf meinen Körper achten und wenn die Einschränkungen so einschneidend sind, muss ich Pausen einlegen, so wie letzte Woche.

Forscher haben beispielsweise festgestellt, dass Himbeeren und Erdbeeren sehr viel Ellagsäure enthalten, einen krebshemmenden Stoff. Ich würde Mal kühn behaupten, dass dieser Stoff das Krebswachstum behindert. So und mit diesem Wissen im Hinterkopf trinke ich neuerdings rote und gelbe und grüne Smoothies. Die schmecken mir lecker und, wenn Gott die Natur so ausgestattet hat, dass diese Früchte solche Wirkungen haben, dann sollte man die auch nutzen. Und das soll alles durch Zufall entstanden sein? Vielleicht mache ich auf meinem Blog einen Bereich für gesunde Smoothies auf, wo die Rezepte heruntergeladen werden können. Mal gucken.

Die Behandlung die ich jetzt mitmachen muss, ist zwar viel und wird eine ganze Weile in Anspruch nehmen, aber Gott hat auch den Ärzten und dem Pflegepersonal Weisheit gegeben, mir zu Helfen und mein Leben zu erleichtern. Es wird an meinem Krebs geforscht und es gibt Studien, um die neue Medikamente letztendlich noch wirksamer zu machen. Ob die Therapie wirkt oder wiederholt werden muss liegt nicht in meiner Hand. Ich habe keine Angst und bin mir sicher, Gott macht alles richtig. Ich wiederhole mich, Gott hat in meinem Leben noch nie einen Fehler gemacht, oder zu spät gehandelt. Das neueste was ich sagen darf, ist dass die Induktionstherapie noch einfacher wird, denn für die Zyklen zwei und drei wird es ans Klinikum Stuttgart gehen. Die Stammzellmobilisation und stationäre Hochdosistherapie wird dann an der Uniklinik Tübingen durchgeführt

Soweit Mal das neuste von uns und der erste Rückblick nach einem Monat Chemotherapie sieht meines Empfindens nach, gar nicht so schlecht aus.

Chemostart – morgen geht’s los

Vielen Dank für alle eure Gebete und jedes mutmachende Wort. Das tut echt gut. Ich weiß, wir als Familie sind nicht alleine in der Zeit. Wir dürfen wissen, es gibt Freunde und Geschwister die uns im Gebet unterstützen.

Ich bin aufgeregt, wie das alles morgen, am 01.09.2020 wird. Der erste Tag der Behandlung beginnt um 08:30 in Tübingen. Wie wird das alles werden? Ich muss aber nicht alleine fahren. Danke Stefan! Ich habe keine Angst, ich bin ’nur‘ positiv aufgeregt auf das was in den nächsten Wochen bei uns alles passiert.

Ich habe jetzt alle Voruntersuchung abgeschlossen und war sogar noch beim Zahnarzt um mir eine Medikamentenfreigabe für die Behandlung zu holen. Das ich jemals freiwillig zum Zahnarzt gehen würde, hätte ich nie gedacht. Bei Krebs macht man Dinge die sonst undenkbar wären.

Jahwe erwiderte: „Wenn ich mitgehe, würde dich das dann beruhigen?“

2. Mose 33:14 NBH

Diese Frage hat Gott Mose einst gestellt als er das Volk ins verheißene Land führen sollte und ich übernehme die Frage einfach Mal für mich. Ich muss niemand in ein Land führen. Wir betreten lediglich Neuland und daher finde ich den Vers für morgen und die kommende Zeit passend. Ja Herr Jesus mich würde es beruhigen, wenn du mitgehst. Im nächsten Satz kann ich dann direkt danke sagen. Danke Herr Jesus, dass du alles weißt und schon in der Tagesklinik wartest. Danke Herr Jesus du bist großartig.

Wie geht’s mir? Diese Frage höre ich sehr oft und freue mich sehr über die Anteilnahme. Ich habe wieder mehr Schmerzen und nehme jetzt wieder Schmerzmittel. Gott sei Dank gibts das alles. Ich habe nur an einer Stelle Schmerzen, am rechten Fuß. Die Ärzte in Tübingen sagen, dass es bei dem Krebs normal wird aber mit der Behandlung wieder besser. Also vertraue ich da jetzt einfach Mal darauf.

Ich werde an der Stelle berichten, wie es mir geht, wenn ich morgen Kraft und Lust dazu habe. Ich weiß, es geht nicht nach dem Lustprinzip, aber das Schreiben hier ist ein Hobby.

Jetzt geht’s langsam richtig los

Heute schreibe ich mal kurz, wie es mir so geht.

Es geht mir gut.

Danke! für alle Gebete und jede Unterstützung. Es ist schön zu wissen, dass wir nicht alleine sind auf dieser Welt. Bitte entschuldigt, wenn ich es immer noch nicht schaffe auf alle Mails und Anrufe zu reagieren. Es wird irgendwann flüssiger.

Am Donnerstag den 06.08.2020 hatte ich wieder einen Termin, für ein paar kleinere Untersuchungen und das wichtige Aufklärungsgespräch über die bevorstehende Chemotherapie.

Zuerst durfte ich aber wie immer 8 Röhrchen Blut abgeben. Hier warten keine großen Überraschungen auf mich, dachte ich so. Alles klar, hinsetzen bitte, Arm her, Nadel rein, Blut raus. Leider lief es beim ersten Stich nicht, also Handrücken, dann kam es aber getröpfelt.

Zu dem Gespräch kann ich aus meiner Sicht sagen, es war gut und entspannt, wie die beiden Ärztinnen das sehen, weiß ich nicht. Ich glaube aber sie fanden es auch gut. Jedenfalls habe ich dann den 35-seitigen Aufklärungsbogen unterschrieben. Meine Ärztin sagte, wer das Dokument ganz gelesen hat möchte an der Therapie in der Regel nicht mehr teilnehmen. Stimmt, ich habe das ganze Dokument gelesen und wollte nicht mehr mitmachen. Aber sie sagte auch, dass ist wie ein Beipackzettel einer Medizin. Der Gesetzgeber verlangt alles aufzuführen, was auftreten kann…. Es waren einige Fragen zu besprechen und schon kurz nach der Heimreise kamen sofort neue Fragen auf. Zum Glück gibt’s ja die tolle neue Technik der E-Mails und so lässt sich vieles schnell und einfach klären. Ich habe das Dokument wie gesagt auch vorher gelesen und schon die ersten 13 Fragen per Mail verschickt, damit ich a) nichts vergesse und b) mir etwas mehr Gedanken über die Formulierung machen kann um da nicht so rumzustottern. Das finde ich nämlich blöd. Aber nicht zuletzt habe ich dann auch den Kopf frei für 13 neue Fragen 😉

Nach der Beratung und Aufklärung bin ich schlauer. Ich gehöre in Phase eins von drei zu keiner Risikogruppe. Ich werde in einem der nächsten Beiträge mal genau detailliert schreiben, wie die Behandlung von statten geht. Es geht jedenfalls im September los.

Im Anschluss an das Gespräch gingen wir dann zum lockeren Teil über. Es ging zur Knochenmarkpunktion. Same procedure as everytime um das Zitat (mal etwas abgewandelt) aus Dinner for one zu verwenden. Bei mir darf jeder Arzt und jede Ärztin mal ran und die Nadel bis ins Becken rammen. Spaß beiseite, diese Untersuchung musste durchgeführt werden, da die Befunde für die Studie benötigt werden. Aufgrund der vorangegangenen Bestrahlung am Becken waren neuerliche Punktionen nicht so richtig verwertbar, deshalb war die Punktion unter CT-Behandlung am Brustbein geplant. Davon sind die Ärzte weggegangen, weil das Risiko für den zu erwartenden Befund zu groß gewesen wäre.

Die Knochenmarkpunktion ist eine Zulassungsvoraussetzung zur Studie, zu der ich mich bereiterklärt habe. Ich erhalte dann mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit einen zusätzlichen Antikörper oder eben nicht. Die Ärzte denken, dass der Zufall über die Verteilung des Antikörpers entscheidet, dabei wusste schon Albert Einstein.

Gott würfelt nicht!

Albert Einstein

Die Studienleiter sind Ärzte aus der Uni Heidelberg und die haben die besseren Geräte um den Nachweis von Krebszellen im Knochenmark genauer durchzuführen, so dass sie auch mit dem Material arbeiten können, was in Tübingen nicht auswertbar ist.

Da ich ja nun etwas erfahrener bin, was diese Untersuchung angeht, kann ich sagen, das war die angenehmste der drei letzten Untersuchungen. Die Ärztin hat einen echt guten Job gemacht und da die Studie weitere Untersuchungen dieser Art benötigt, habe ich direkt den Wunsch geäußert, dass die Ärztin das auch zukünftig macht. Auf meine Frage ob ihr diese Untersuchung Spaß macht, hat sie geantwortet, dass es keinen Spaß macht jemandem Schmerzen zuzufügen (das muss sie ja sagen), aber wenn man Ende ein Aspirat (abgesaugtes Material, aus meinem Knochen) und eine Knochenstanze (rausgehämmerter Teil aus dem Knochen) hat die verwertbar ist, ist man das doch ein bisschen froh. Ich kann sagen, örtliche Betäubung ist ein Wunder der Medizin. Während ich so zur Stillung der Blutung auf dem Sandsack lag, wurden für die Studie noch 11 Röhrchen Blut benötigt. Jetzt weiß ich, dass ein Blutverdünner tatsächlich funktioniert. Ich hab es in den Röhrchen rauschen gehört. Ich musste lachen.

Als nächstes ging es zum Herzultraschall, da ich ja letztes Jahr ein paar Tage in Berlin außerplanmäßig stationiert war und dort kleine Unregelmäßigkeiten entdeckt wurden. Da war aber auch alles ok.

Das Herz

Es ist schon krass, mit welcher Routine und selbstverständlich das Organ in meiner Brust schlägt und bis jetzt hatte es nicht einen einzigen Tag Pause. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Das wurde mir neu bewusst, wo ich auf der unbequemen Pritsche der Kardiologin und der Auszubildenden Ärztin lag. Da war ich ganz geschwind neu dankbar. Ich kann mich noch vage an meine Jugend erinnern, wo mich mein damaliger Hausarzt 😉 wegen verdächtigen Unregelmäßigkeiten beim Herzschlag ins örtliche Krankenhaus einliefern lies. An dieser Stelle mal ein kleiner Gruß in diese Richtung 🙂 . Jedenfalls scheint mit diesem Herz in meiner Brust medizinisch alles Ordnung zu sein. Es schlägt.

Die nächste Untersuchung war wieder einfach. Ein Ruhe-EKG wurde geschrieben. Auch hier war wieder alles in Ordnung.

Ich habe lange überlegt, welchen Bibelvers ich hier posten soll. Irgendwas mit Innereien oder doch das Jesus seine Hand über allem hält. Ich habe mich dafür entschieden den ersten Bibelvers aus einem Beitrag 2017 zu nehmen, den ich auf dem Blog gepostet habe. Warum? Damals begann eine neue Zeit und jetzt beginnt auch irgendwie wieder eine neue Zeit. Deswegen gibt’s einen neues Design auf der Seite und meine Chronik ist auch aktualisiert. Passt doch.

Ich preise dich, dass ich auf erstaunliche Weise wunderbar geworden bin. / Wunderbar sind deine Werke, / das erkenne ich sehr wohl. Als ich im Verborgenen Gestalt annahm, / kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, / war ich nicht unsichtbar für dich. Du hast mich schon gesehen, als ich noch ein Embryo war. / Und in dein Buch waren sie alle geschrieben, / die Tage, die schon gebildet waren, / noch ehe der erste begann.

Psalmen 139:14-16