Archiv des Autors: admin

Meine Stammzellen sind gesammelt

Vorgestern, am 01.02.2021 habe ich mich in Tübingen der Leukapherese unterzogen. Ein schmerzfreier Prozess um Stammzellen aus dem Blut zu extrahieren.

Vielen Dank für alle Gebete, Überraschungen, Kurzbesuche und Anrufe oder Nachrichten. Ohne den Rückhalt im Glauben und den Blick auf den Herrn Jesus geht es nämlich nicht. Danke!!!

Zur Vorbereitung auf die Stammzellsammlung habe ich mir selbst ein Medikament gespritzt, welches die Produktion der Stammzellen im Knochenmark anregt. Das Medikament dient dazu in den großen Knochen wie Wirbelsäule, Brustbein, Schulterblätter, Becken Oberschenkel die Produktion von Stammzellen anzuregen, damit sie dann aus dem Blut extrahiert werden können. Das hat super funktioniert und ich habe gelernt, dass das massenhafte Produzieren von Stammzellen richtig schmerzhaft sein kann.

Die Stammzellsammlung selbst ist absolut schmerzfrei. Das Ganze Prozedere lief sogar eher ohne große Aktion ab. Zuerst wurde ein Blutbild erstellt, um zu kontrollieren ob alles gut ist. Anschließend gab es dann zwei Schläuche. Einer führt das Blut von einem Arm raus zur Maschine und einer von der Maschine zurück in den Arm.

Wie genau die Maschine funktioniert, weiß ich auch nicht. Ich kann darauf vertrauen, dass die Entwickler, Ingenieure und Techniker alles richtig gemacht haben. Ich finde das trotzdem extrem spannend. Die Maschine filtert Stammzellen aus dem Blut und sammelt sie in einem Beutel.

Direkt nach dem das Blut aus meiner Vene raus geflossen ist, wurde es mit Zitronensäure vermischt, damit es nicht gerinnt. Ohne die Zitronensäure würde es relativ schnell gerinnen und dann wäre es aus und ich würde meinem Schöpfer gegenübertreten. Das möchte man vermeiden. Zitronensäure ist super, wir nutzen es um unseren Wasserkocher und die Kaffeemaschine zu entkalken. Warum das so ist, könnte man lang und breit mit chemischen Formeln und Symbolen erklären, da es im Chemieunterricht alles mal dran kam, aber das will jetzt keiner lesen. Wer es genau erklärt haben möchte, kann den Link unten nutzen. Ich fand das wieder mal spannend. Allerdings gibt es mit der Zitronensäure auch ein kleines bekanntes Problem, dem man bei der Leukapherese mit Calcium-Brausetabletten entgegenwirkt. Das mit Zitronensäure angereicherte Blut, fließt zurück in meine Vene. Wenn die Konzentration aber zu hoch ist, wird Calcium im Körper abgebaut. Calcium wird im Körper aber für die Knochen benötigt. Was für die Kafffeemaschine und den Wasserkocher gut ist, ist für unseren Körper eher schlecht.

Nach etwa fünf Stunden war ich mit der Leukapherese fertig und wurde von der Maschine getrennt und mein Blut wurde ins Stammzelllabor zur Analyse gegeben. Dort wurde eine Qualitätskontrolle durchgeführt und die Zellzahl bestimmt. Nach der Analyse im Labor wurde der Spende eine Art Glucose zugesetzt, und dann wurde sie in flüssigem Stickstoff bei -80° C eingefroren. Das Ganze ist 10 Jahre haltbar. Die Glucose dient dabei zum Schutz der Zellen, damit diese beim Auftauen nicht platzen.

Geplant war, dass ich Stammzellen für die Hauptbehandlung und eine für eine weitere Behandlung sammeln sollte, damit ein Backup zur Verfügung steht. Das Backup wird gesammelt, falls die Hochdosischemotherapie und die Rückgabe der Stallzellen beim ersten Mal fehlschlägt. Ich habe Stammzellen gesammelt, die für drei Behandlungen ausreichen. Da ist also noch Luft und trotzdem hoffe und bete ich, dass eine einzige Behandlung ausreicht und die anderen Stammzellen einfach eingefroren bleiben.

Bei der Leukapherese und der ganzen Behandlung rundherum habe ich wieder einmal gemerkt, dass Gott sich beim menschlichen Körper richtig viel Mühe gegeben hat. Nur durch die Sünde ist das jetzt alles kaputtgegangen. Gott hat diese zerstörte Beziehung selbst repariert, indem er uns seinen eigenen Sohn geschickt hat. Jeder der an IHN glaubt und sein Sterben am Kreuz annimmt, wird gerettet werden.

Das klingt vielleicht total platt, aber in den Zeiten wie diesen ist mein Glauben an den Herrn Jesus Christus, das Einzige was mich trägt. Natürlich bin ich begeistert, was Menschen medizinisch und technisch schaffen können. Die Maschinen die Stammzellen aus dem Blut extrahieren können, die Bildgebung beim MRT oder auch die Zusammensetzung einer hochgiftigen Chemotherapie begeistern mich. Das ist alles total krass. Gott hat den Menschen die Weisheit gegeben, alles das zu erforschen und zu entsprechende Erfindungen zu machen. Ich darf diese Behandlungsstrategien nutzen um gesund zu werden. Gott hat alles in seiner Hand.

Gott ist uns Zuflucht und Stärke, / als Beistand gefunden, besonders in Not. Darum fürchten wir uns nicht, / auch wenn die Erde bebt / und die Berge im Meer versinken,

Psalmen 46:2-3 NBH

Mir geht’s zur Zeit gut und ich habe keine Schmerzen sondern nur Haarausfall. Der Bart ist schon mal ab, da ich jeden Morgen Haare unter der Dusche verloren habe. Mit dem Haarausfall habe ich ehrlich gesagt nicht mehr gerechnet, da die Chemo schon eine Weile vorüber ist. Aber das Gute ist, die Haare wachsen wieder und durch die Rasur sehe ich gleich 10 Jahre jünger aus.

Warum löst Zitronensäure den Kalk auf? -> https://www.br.de/mediathek/video/chemie-carbonsaeuren-warum-loest-zitronensaeure-kalk-av:58aae21d1862a10012b53d3b

Es geht wieder los zur Chemo

Gestern war Tag zwei von vier der Mobilisationschemotherapie.

Ich möchte mich an dieser Stelle wie immer sehr für die Gebete und Überraschungen und Postkarten und Briefe, WhatsApp und Anrufe bedanken. Es tut gut zu Wissen, dass soviele da sind und unsere Familie vor Gott hinlegen. Danke!

Am Montag den 18.01.2021 und Dienstag den 19.01.2021 waren alle Voruntersuchung. Ich liste die hier auf inklusive der Befunde. Anschließend verliere ich ein Wort zum MRT. Röntgen der Lunge, Bauchultraschall, Knochenmarkpunktion, Blutbild inkl. der für mich relevant erscheinenden Krebsmarker, Wasseranalyse, Herzultraschall – alle mündlichen Befunde klangen gut bis sehr gut. Zum MRT habe ich noch kein Befund.

Das MRT am Montag war echt sch….lecht. Es war nicht schön. Gar nicht. Ich war wieder einmal an dem Punkt, das ich fast die Klingel bedient hätte. Es war ein Gerät der neueren Generation, mit dem Vorteil, dass es angeblich schneller geht und dass es genauere Bilder macht. Die gemessenene Zeit war die gleich wie zum anderen Gerät und die Bilder kann ich nicht beurteilen. Die Nachteile überwiegen meiner eigenen Empfindung nach. Die Spulen erzeugen eine spürbar unangenehm Wärme, klar das ist subjektiv aber es war kein schönes Gefühl. Das Gerät ist viel enger und es ist viel lauter. Ich wusste bis jetzt nicht, dass ich in einem engen Raum Probleme bekomme. An Noise-Cancelling denkt wohl keiner. Nach einer Stunde MRT hatte ich Kopfschmerzen und die Ohren haben gepfiffen. Ich bin Gott aber trotzdem dankbar, dass diese Untersuchung überstanden ist. Hab nämlich neu erlebt, dass man überall zu Gott beten kann auch und gerade wenn es mies läuft.

Wie gehts mir jetzt, werde ich oft gefragt. Ich fange gerne mal bei meiner Familie. Die Kinder relasieren langsam, dass es dem Papa nicht mehr so gut geht, wie im Sommer. Sie merken, etwas stimmt nicht. Da versuchen wir Ihnen jetzt behutsam zu erklären, dass die nächste Zeit für mich körperlich anstrengend wird. Bis jetzt ging es mit der Chemo doch ganz gut. Meine Frau ist ebenso sehr angespannt und wünscht sich auch, dass ich hier gut und erfolgreich durchkomme.

Der zweite Tag der Mobilisierungschemo war ganz angenehm. Am ersten hatte ich am Abend gar keinen Appetit. Das war für mich bisher schlimmste Erfahrung. Heute ging es mir dagegen richtig gut. Ich habe weder Übelkeit, noch andere Probleme. Ich warte täglich auf den Haarausfall, zumal die Frisöre immer noch geschlossen haben. Bis jetzt ist aber nichts davon zu spüren. Da ich wieder relativ viel Kortison bekomme, nutze ich auch wieder Medikamente zum einschlafen. Mein Körpergewicht ist für meinen behandelnden Arzt sehr gut. Bei der anschließenden Hochdosistherapie kann es zu Appetitloskeit und damit zu Gewichtsverlust kommen. Ich habe aktuell nichts zu befürchten.

Die Mobilisierungschemo dient zur Vorbereitung der Stammzellsammlung. Für diese muss das Blut entsprechend vorbereittet werden. Es müssen genügend Stammzellen vorhanden sein. Bei der Stammzellsammlung wird mir mein Blut an einen Arm entnommen und die Stammzellen rausgefiltert und am anderen Arm wird das Blut wieder zugeführt. Zum Glück.

In der jetzigen Phase von Montag bis Freitag wird mein Blut und meine Abwehr schlechter und die Infektionsgefahr steigt. Ich muss ganz besonders auf Fieber achten. Wenn das auftritt, muss ich sofort stationär ins Krankenhaus und medikmentös behandelt werden. Beten wir mal, dass das ausbleibt.

Zur Zeit habe ich keine der bekannten Nebenwirkungen wie Knochenschmerzen oder Schleimhautprobleme. Tendenziell bin ich etwas müde, aber eher noch fit. Haarausfall ist bis jetzt ausgefallen. Gott sei Dank!

Als ich Mal wieder Gelegenheit hatte bei einer Zugfahrt nach Tübingen über meine Krankheit nachzudenken und über meinen Herrn Jesus viel mir ein Vers ein, der bei uns in der Gemeinde sehr häufig gelesen wird.

Wir Christen glauben, dass Jesus Christus am Kreuz (an Ostern übrigens) die Schuld der Menschheit auf sich genommen hat. Er hat den Weg zu Gott damit frei gemacht. Gott brauchte ein reines Opfer ohne einen Makel. Das war nur möglich, wenn er sich selbst in seinem Sohn opfert. Der Tod am Kreuz wird zwar im Neuen Testament (2. Teil der Bibel) beschrieben, aber im Alten Testament (1. Teil der Bibel) wird auf den Tod am Kreuz bereits glasklar hingewiesen.

Er hat nicht nur die Schuld der Menschen dort auf sich genommen, auch alle Krankheiten und Schmerzen. Er hatte am Kreuz also auch meinen Krebs getragen und überwunden, ohne Chemotherapie. Er ist also auch an dem Krebs gestorben. Er hat es aus Liebe zu mir und zu jedem Menschen getan. Nachlesen kann man das Ostergeschehen in der Bibel im Lukasevangelium.

Für mich hat dieser Vers neuerdings ganz praktisch an Bedeutung gewonnen. Jesus starb auch für diesen Krebs. Er hat ihn am Kreuz besiegt.

Wenn man in einer Situation wie dieser steckt, kann man nichts machen. Man ist der Krankheit so hilflos ausgeliefert. Das Gefühl nichts tun zu können ist krass und teilweise beängstigend. Ich kann mich deshalb nur immer wieder in die Hände meines Herrn Jesus Christus legen.

Doch unsere Krankheit, / er hat sie getragen, / und unsere Schmerzen, / er lud sie auf sich. / Wir dachten, er wäre von Gott gestraft, / von ihm geschlagen und niedergebeugt.

Jesaja 53:4 NBH

Den Vers darf man aber nicht aus dem Zusammenhang reißen, dafür ist das Kapitel aus dem Jesaja einfach zu schön. Deshalb hier das gesamte Kapitel 53.

‚Darum teile ich die Vielen ihm zu, / und die Starken werden seine Beute sein, / weil er sein Leben dem Tod preisgegeben hat / und sich unter die Verbrecher rechnen ließ. / Dabei war er es doch, der die Sünden der Vielen trug / und fürbittend für Verbrecher eintrat. Wer hat denn unserer Botschaft geglaubt? / Und an wem hat sich Jahwes Macht auf diese Weise gezeigt? Wie ein kümmerlicher Spross wuchs er vor ihm auf, / wie ein Trieb aus dürrem Boden. / Er war weder stattlich noch schön. / Er war unansehnlich, / und er gefiel uns nicht. Doch unsere Krankheit, / er hat sie getragen, / und unsere Schmerzen, / er lud sie auf sich. / Wir dachten, er wäre von Gott gestraft, / von ihm geschlagen und niedergebeugt. Doch man hat ihn durchbohrt wegen unserer Schuld, / ihn wegen unserer Sünden gequält. / Für unseren Frieden ertrug er den Schmerz, / und wir sind durch seine Striemen geheilt. Er wurde verachtet, / und alle mieden ihn. / Er war voller Schmerzen, / mit Leiden vertraut, / wie einer, dessen Anblick man nicht mehr erträgt. / Er wurde verabscheut, / und auch wir verachteten ihn. Wie Schafe hatten wir uns alle verirrt; / jeder ging seinen eigenen Weg. / Doch ihm lud Jahwe unsere ganze Schuld auf. Er wurde misshandelt, / doch er, er beugte sich / und machte seinen Mund nicht auf. / Wie ein Lamm, das zum Schlachten geführt wird, / wie ein Schaf, das vor den Scherern verstummt, / so ertrug er alles ohne Widerspruch. Durch Bedrückung und Gericht wurde er dahingerafft, / doch wer von seinen Zeitgenossen dachte darüber nach? / Man hat sein Leben auf der Erde ausgelöscht. / Die Strafe für die Schuld meines Volkes traf ihn. Bei Gottlosen sollte er liegen im Tod, / doch ins Steingrab eines Reichen kam er, / weil er kein Unrecht beging / und kein unwahres Wort aus seinem Mund kam. / Doch Jahwe wollte ihn zerschlagen. / Er war es, der ihn leiden ließ. / Und wenn er sein Leben als Schuldopfer eingesetzt hat, / wird er leben und Nachkommen haben. / Durch ihn gelingt der Plan Jahwes. Nach seiner Seelenqual sieht er das Licht / und wird für sein Leiden belohnt. / Durch seine Erkenntnis wird mein Diener, der Gerechte, / den Vielen Gerechtigkeit bringen; / und ihre Vergehen lädt er auf sich.‘

Jesaja 53:1-12

Bitte betet weiter für uns als Familie. Ganz besonders für die Kinder und Fabienne.

Der erste Schritt ist geschafft

Am 24.12.2020 waren wir in Tübingen und ich habe endlich die letzte Spritze bekommen. Mit dieser Spritze habe ich den ersten Schritt hinter mich gebracht. Ob die Induktionstherapie erfolgreich war, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Für mich blieb dann noch ein paar Tage Chemo-Tabletten und die Prophylaxe-Medikamente. Jetzt liegt die Induktionstherapie hinter mir!

Vielen Dank für eure Gebete, Grußkarten, mutmachende Statusmeldungen, Anrufe, E-Mails oder Überraschungen.

Zur Zeit geht es mir recht gut, die Nebenwirkungen wie Kribbeln oder Schmerzen in den Füßen klingen langsam ab. Die trockene Haut regeneriert sich, so dass der Fingerabdrucksensor vom Telefon langsam wieder normal arbeitet.

Ich reduziere derzeit die Schmerzmitteldosis schrittweise und ich empfinde bis jetzt keine neuen oder alten Schmerzen. Das ist doch schon Mal gut.

Während dem Arztgespräch in Tübingen hatte ich so richtig Angst. Das war der Moment, als mir mein behandelnder Arzt sagte und erläuterte, wie die Therapie im Februar so im Detail abläuft und was alles passieren kann. Er hat mir erklärt, was die Gründe für den dreiwöchigen Aufenthalt in der Klinik sind. Alles was er mir gesagt hat, wusste ich bereits und trotzdem schlief mir das Gesicht ein und mir wurde etwas mulmig. Entzündungen, Infektionen oder hohes Fieber klingt aus dem Mund des Arztes noch Mal anders als in gedruckten Aufklärungsbögen. Ich weiß nicht warum das so ist, aber die Angst war da und ich kannte dieses Gefühl vorher nicht.

„Seid stark und mutig, fürchtet euch nicht und erschreckt nicht vor ihnen! Es ist Jahwe, dein Gott, der mit dir geht. Er lässt dich nicht fallen und verlässt dich nicht.“

5. Mose 31:6 NBH

Da musste ich am Heiligen Abend einfach Mal durch. Jetzt weiß ich es und bin zumindest informiert. Ich möchte gesund werden, bzw. diese chronische Erkrankung soweit in den Griff bekommen, dass ich möglichst lange und ohne große Einschränkungen leben kann. Das möchte ich und wenn Gott das auch in seinem Plan hat, wird es so kommen. Wie der Weg dahin ist, weiß ich nicht und ich muss es auch nicht wissen. Was ich weiß ist, Gott macht keine Fehler.

Und so geht’s dieses Jahr weiter. Am 18.01.2021 geht’s weiter mit einem MRT und am 19.01.-22.01.2021 findet die Stammzellmobilisation statt. Ende Februar kommt die Stammzellspende (Leukapherese). Mitte Februar geht’s dann in die Klinik zur Hochdosistherapie.

Ich wünsche allen ein gesegnetes neues Jahr.

Bildquelle: Wikipedia https://de.m.wikipedia.org/wiki/Multiples_Myelom