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alles über meinen Glauben

ER ist konstant

Heute schreibe ich das erste Mal ausschließlich über meinen Glauben.

Ich habe mich nach meiner Krebsdiagnose dazu entschlossen, Gott in allem zu vertrauen. Dieses Vertrauen musste ich lernen und bin immer noch nicht fertig damit. Bekannte und Freunde haben gesagt, dass ist die harte Schule des Lebens. Ich habe das Vertrauen auf Gott in Zeiten üben dürfen, wo die Wellen nicht so hoch geschlagen sind. In der „normalen“ Zeit ist es nämlich ganz einfach Gott zu vertrauen, denn es läuft ja. Während dieser Phase hatten ich bzw. wir als Ehepaar wertvolle Freunde, die uns gelehrt haben Gott zu vertrauen, egal was kommt. Es war ein dauerndes Wiederholen und üben, genau wie Mathematik. Das musste ich nämlich auch andauernd üben.

Und trotzdem. Auch ich bin jetzt immer noch verwirrt, teilweise unsicher oder habe echt verrückte Gedanken, wie das alles weitergehen wird und wo das vielleicht endet. Und das Ganze obwohl ich Gott vertraue und ihm mein Leben damals schon übergeben habe. Vor Sorgen und Ängsten ist scheinbar keiner sicher. Es gibt ganz offensichtlich auch keine wirkungsvolle Übung gegen die Angst. Was mir hilft, wenn Angst in mir aufsteigt ist der Blick zum Herrn Jesus. Dann wird es manchmal besser.

Ich weiss auch nicht warum ich Krebs oder andere Krankheiten bekommen habe. Ich weiss nicht wofür es gut ist. Vielleicht erfahre ich es irgendwann einmal, vielleicht auch nicht. Das ist nicht mehr wichtig. Ich glaube nicht, dass es nur darum geht, dass ich über Krebs und meinen Glauben einen Blog schreibe, dass wäre zu einfach.

Gott steht weit über allen Dingen und vorallem über meiner persönlichen Planung und er weiss einfach alles. Ganz besonders was er mit meiner Krebserkrankung vor hat! Ich weiss es nicht.

Ich kann aber jetzt in jedem Moment sagen: „Gott ich verstehe es nicht, aber ich vertraue dir, dass du alles gut machst.“
Die Entscheidung Gott zu vertrauen habe ich -nach der Diagnose- für mich selbst getroffen. Bis ich zu dieser Einstellung und zu der Entscheidung gekommen bin, habe ich einige Telefonate geführt, viele sehr gute Ratgeber befragt und ich habe vielen Tränen im Esslinger Krankenhauskissen gelassen. Ich habe aber auch einige Gebete gesprochen, in denen ich Gott angeklagt habe. Gott hat von mir auch meine W-Fragen an den Kopf geworfen bekommen. Antworten stehen noch aus. Irgendwann habe ich dann -mit Gottes Hilfe- mein Gottesbild angepasst. Ich glaube jetzt wirklich, dass Gott es gut meint. Gott hat nur das Gute im Sinn, nie etwas schlechtes. Im Gegensatz zu mir, übrigens. Aber ich habe dann gesagt, Du bist der Hirte und ich bin das blökende Schaf, Du hast den Krebs zugelassen, jetzt mach auch was daraus. Ich bin gespannt.

Blinde führe ich auf einem Weg, den sie nicht kennen, / ich lasse sie auf unbekannten Pfaden gehen. / Die Finsternis vor ihnen mache ich zum Licht, / holprige Stellen zur ebenen Bahn. / Das werde ich ganz sicher tun, niemand bringt mich davon ab!
Jesaja 42:16 NBH

Den obigen Vers habe ich in einer Predigt gehört und der Referent (der Predigende) sagte dazu. Gott führt Blinde auf dem Weg, den sie nicht kennen, er geht mit den Menschen auf unbekannten Pfaden. Er macht Licht.

Das ist so mutmachend für mich und ich durfte mir selbst sagen. Mit Gott an deiner bzw. meiner Seite wird es auch ungewisse Zeiten geben, Marcus du wirst auch Stress haben und vielleicht hast Du Sorgen und Ängste. Aber mit Gott wirst du durch diese Zeiten gehen, und gestärkt herauskommen. Gott ist immer da gewesen und wird immer da, egal was kommt. Jemand schlaues hat mir mal gesagt, Gott ist immer derselbe unabhängig von uns und unseren Lebensumständen und unseren Einstellungen zu den Dingen. Er ist konstant.

Die letzte Nacht – Abschied

Aufgrund göttlicher Führung hatte ich ein längeres Gespräch mit dem Chefarzt der Rehaklinik.

Es ging dabei unter anderem auch um die immer noch vorhandenen Schmerzen in meinem linken Bein und Becken. Ich werde jetzt aktiv auf die Suche nach einem Physiotherapeuten gehen, denn die Muskulatur ist „sehr fest“ oberhalb des Beckens. Das kann ein Grund für die Schmerzen sein. Ich weiß ja Gott macht keine Fehler und ich wäre echt froh, wenn diese Muskelverspannung der Grund für die Schmerzen ist. Das wäre echt cool. Wenn nicht, dann ist es auch OK, denn ich weiß Gottes Zusage mich zu lieben hängt nicht von meinem Gesundheitszustand ab. Er trägt!

Danke für die Gebete, Nachrichten und Postkarten in den letzten 4 Wochen. Eine guttuende Reha geht zuende. Danke!

Ja, mit dir überrenn ich ein Heer, / mit meinem Gott überspring ich die Mauer.
Psalmen 18:30 NBH

Das Ende ist nahe steht im 1. Brief des Petrus. Das trifft es ziemlich genau, denn bei mir ist heute am Donnerstag, 12.04.2018 Schluss, es geht nach Hause. Gestern war die zweite Gehübung, zum Vergleich am Anfang der Reha waren es 695 Meter und jetzt 790 Meter in 6 Minuten.

Petrus meint aber mit Ende nicht das Rehaende von Marcus, sondern er meint das Ende aller Dinge. Dann muss man sich entscheiden bzw. dann ist es entschieden. Es ist entschieden, wo man die Ewigkeit verbringt. Gut wer vorher Jesus um Vergebung gebeten hat. Wenn nicht. Schlecht! gaaanz schlecht, denn in der Bibel steht dazu folgendes:

Wenn also jemand nicht im Buch des Lebens eingetragen war, wurde er in den Feuersee geworfen.
Offenbarung 20:15 NBH

Ich muss also zu Lebzeiten klar machen, wo hin ich gehöre. Zu Gott oder nicht. Ich möchte jetzt keine Angst machen, aber auch nichts verschweigen. Es wäre toll den Einen oder Anderen Leser im Reich Gottes wiederzusehen. Sonst ist das ein Abschied für immer.

Musik- und Humortherapie

Mit meinen Beiträgen könnte man denken, dass es hier teilweise sehr lustig zu geht. Das tut es definitiv! Es soll aber nicht der Eindruck entstehen, dass es eine Spaßveranstaltung ist. Es ist eine Reha und ich bin dankbar dafür, dass ich hier sein darf und jetzt sogar noch länger bleibe.

Danke für alle eure Gebete und Anrufe und Post die ich hier erhalten durfte. Das weiß ich echt sehr zu schätzen.

Auch wenn es keine Spaßveranstaltung ist, klappt es menschlich doch super. Das liegt daran, dass wir alle offen mit den Erkrankungen umgehen, uns gegenseitig helfen und vorallem Zeit miteinander verbringen und zuhören, so dass es keinem langweilig wird. Es ist aber so, da wir alle irgendwie krank sind, gibt es kaum die Möglichkeit irgendetwas lustiges oder spaßiges zu machen. Wir sitzen in lockerer Runde zusammen und reden über früher. *ironie aus*. Unser Humor ist ehrlich, lustig, manchmal heftig, aber nie unter dem Niveau.

Am Ostermontag war die lange angekündigte Musik- und Humortherapie von Herr Dr. Peter Trunzer. Die Veranstaltung war in 2 Teile aufgeteilt. Im ersten Teil, gab es was für den Kopf mit Themen wie Atomausstieg oder Tschernobyl. Dieser Teil wurde gelockert mit Gedichten und Lieder einer längst vergangen Zeit (Ein Bett im Kornfeld beispielsweise). Der Herr Dr. Trunzer rezitiert Goethes Osterspaziergang aus Faust. Das hat er gut gemacht. Etwas mehr Anspruch als Ein Bett im Kornfeld

Das Video darf ich mit freundlicher Erlaubnis von Dr. Trunzer veröffentlichen.
Der zweite Teil war echt lustiges Kabarett, und es durfte gelacht. Herr Dr. Trunzer hat sich mit dem Thema Krebs lange beschäftigt, denn er war selbst Hodenkrebs erkrankt und hat die ganze medizinische Maschine von der Patientenseite aus erlebt und das mitten in seinem eigenen Studium. Ob die Abwesenheit von Betreuung und Ablenkung bei der Chemotherapie oder Rehabilitationsmaßnahmen der Grund für ihn war, als singender Chefarzt auf Tour zu gehen, weiß ich nicht. Es ist auch egal, denn es tat gut und es hat mich tatsächlich etwas vom Krebs abgelenkt.

Es ist nämlich zur Zeit auch so, dass ich die Schmerzmittel wieder mehr brauche, da es ohne grad nicht mehr so richtig geht. Ich bin in Gottes Armen in Sicherheit, auch wenn der Kopf natürlich sein eigenes Ding macht, denn eigentlich sollte ich schmerzfrei werden. Ich bin hier in sehr guten Händen und die TENS Geräte wirken auch super, zusammen mit Massagen und den Schmerzmitteln.

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und unter Lasten stöhnt! Ich werde euch ausruhen lassen.
Matthäus 11:28 NBH

Der Vers ist mir heute neu wichtig geworden, und den möchte ich weitergeben. Etwas aus dem Zusammenhang gerissen, aber Jesus erklärt (mir) hier, in den Versen davor und danach, dass er alle Macht hat. Er kennt Gott und Gott kennt ihn, besser als kein anderer. Doch auch der Vers danach ist hart, denn wir sollen von Jesus lernen und ihm nachfolgen, dann findet unser Leben Erfüllung, denn Jesus will letztendlich, dass es uns gut geht. Er möchte mit uns Gemeinschaft sowohl hier auf der Erde, als auch nach dem Sterben. Das ist schon krass, was Jesus hier in drei oder vier Versen für mutmachende Worte sagt. Jesus ist der Chef(arzt) und er wird mich ausruhen lassen. Vielleicht werde ich ja wieder gesund und kann hier schon richtig ausruhen. Vielleicht auch nicht. Das alles und noch viel mehr, weiß Gott und ich kann mich einreihen in die Herde. Er ist der gute Hirte.